Eine Einstellung, vor der man den Hut ziehen kann: Nachdem er eine falsche Anlageentscheidung getroffen hat, stiehlt sich der Schweizer Fondsberater Olaf-Johannes Eick seinen Anlegern gegenüber nicht aus der Verantwortung, sondern greift in die eigene Tasche, um den Verlust abzufedern.
Gegenüber der Wirtschaftswoche sagte Eick, dass er für rund zehn Millionen Euro die Aktien des britischen Nebenwertes Petrocapital Resources (PCR) aus verschiedenen Investmentfonds aufkaufen will, deren Performance im zahlreiche schlaflose Nächte bereitet habe.
Im letzten Jahr hatte er die Titel der britischen Beteiligungsgesellschaft, die sich auf Rohstoffe kapriziert, für alle seine Fonds zum Preis von rund 0,81 Euro pro Aktie gekauft, wobei der Kurs seither dramatisch eingebrochen ist – Anfang März notierten die Papiere bei 0,14 Euro, bevor die schließlich vom Handel ausgesetzt wurden, nachdem der Verdacht aufgekommen ist, dass das Unternehmen mit falschen Zahlen arbeitete und die britische Börsenaufsicht auf den Plan gerufen wurde.
Beträge wurden Fonds bereits gutgeschrieben
Um seine Anleger nicht für seine Fehleinschätzung büßen zu lassen, hat Eick die Papiere jüngst aufgekauft, wobei er fast das Zehnfache dessen bezahlte, was die Papiere laut geschätztem Stand aktuell noch Wert sie dürften, wie die Wirtschaftswoche schreibt. Die Beträge wurden den Fonds am vergangenen Freitag, 16. April 2010 gutgeschrieben, was sich positiv bemerkbar machte: Der Kurs des Fonds Multi-Invest OP – mit einem Volumen von fast 500 Millionen Euro das Flaggschiff der von Eick betreuten Fonds – legte in der Folge um rund 0,8 Prozent zu, während der des Multi Invest Spezial OP 2,3 Prozent gewann.
Die aufgekauften Petrocapital-Aktien – die Eick aus eigener Tasche und mit langfristig laufenden Krediten finanzierte - hält Eick nun in seinem Privatdepot und im Depot der Schweizer Gesellschaft Multi Invest Multi Invest, an der er beteiligt ist und trägt ergo auch die Risiken im Hinblick auf deren weitere Kursentwicklung.
Sein Entschluss, die Papiere zu kaufen, sei in eigener Initiative erfolgt und nicht wegen Druck von außen, obwohl er auch einen Totalverlust einkalkuliere. „Aber ich wäre meines Lebens nicht mehr froh geworden, wenn ich das in den Fonds belassen hätte“, so Eick gegenüber der Wirtschaftswoche. Eine Entscheidung, von der kaum zu erwarten ist, dass sie Schule machen wird, wenngleich sich manch einer sicher eine Scheibe davon abschneiden könnte.
Seine Investmententscheidung sei damals auf Basis falscher Daten erfolgt, da man von den Verantwortlichen von Petrocapital Investment falsche Unterlagen bekommen hatte. Eine Lehre die Eick aus dem Geschehenen schließt, ist, dass die von ihm betreuten Fonds künftig nur noch als Dachfonds in Einzelfonds investieren dürfen, aber keine Einzelaktien mehr kaufen werden. Die Verkaufsprospekte werden entsprechend geändert. (ir)
Quelle: FONDS professionell ONLINE